Erleben als Formwandler

Das Erleben ist ein Formwandler – wie das ganze Leben. Es muss nicht immer weit und »allumfassend« oder »möglichst viel umfassend« sein.

Stell dir vor, du gehst in ein Labor und siehst zum allerersten Mal lebende Zellen durch ein richtig gutes Mikroskop. In diesem Moment spielt der Geruch oder die Temperatur oder der Raumklang im Labor kaum eine Rolle: Dein Blickfeld ist verengt auf eine winzige Fläche und die Aufmerksamkeit ist fasziniert von dieser unglaublichen Lebendigkeit, die sich dort vor deinem Auge abspielt. Das andere Auge ist geschlossen und sieht fast nichts (und dieses diffuse Braun, das es durchs geschlossene Lid sieht, ist momentan irrelevant und wird ignoriert).

 

Das ganze Erleben ist fokussiert auf die Zellen, die du durchs Mikroskop siehst, nichts anderes ist gerade wichtig, auch das Gefühl in den Füßen nicht – du bist wahrscheinlich von den Socken. Doch gleichzeitig ist das Fühlen ein sehr wesentlicher Bestandteil dieser Erfahrung: Ohne Staunen, Neugier, Faszination erscheint das Erleben banal und alltäglich. Und auch das Denken kann sich beteiligen und sinnvoll zum momentanen Erleben beitragen: »Oh, unglaublich, und alles Leben besteht aus solchen Zellen!« … oder davon ablenken und es banalisieren: »Ach ja, wie damals im Biologie-Unterricht. Gott, habe ich Bio gehasst! Wie hieß nochmal die Lehrerin? …«

In beiden Fällen ist das Denken kein Ersatz für das, was gerade gesehen wird, aber es kann das Erleben unterstützen und fokussieren – oder es kann das Erleben vernebeln, zerstreuen, zerreden.

Aus dem Buch:

Anker im Jetzt
Achtsamkeit: entspannt und glücklich leben


von Dittmar Kruse
erhältlich als eBook und Taschenbuch

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